Factoring ist keine Lösung von der Stange
Factoring kann Unternehmen auf unterschiedliche Weise unterstützen: Offene Rechnungen schneller in Liquidität verwandeln, Zahlungsausfälle abzusichern oder die eigene Buchhaltung zu entlasten. Welche Vorteile tatsächlich zum Tragen kommen, hängt jedoch vom gewählten Modell ab.
Factoring ist keine Ein-Produkt- Lösung. Wer sich näher mit der Finanzierungform beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie:
- Echtes und unechtes Factoring
- Full-Service- und Inhouse-Factoring
- Offenes und stilles Factoring
- Auswahl-Factoring etc.
Diese Varianten unterscheiden sich unter anderem beim Leistungsumfang, bei der Übernahme des Ausfallrisikos, bei der Kommunikation mit den Kunden und bei der Auswahl der einbezogenen Forderungen.
Die entscheidende Frage für viele Unternehmer lautet deshalb nicht nur: Ist Factoring für mein Geschäft geeignet? Sondern auch: Welche Ausgestaltung passt zu meinem Bedarf, meinen Abläufen und meiner Kundenstruktur?
Nicht jedes Modell ist für jedes Unternehmen verfügbar oder sinnvoll
Welche Factoring-Lösung infrage kommt, hängt von zwei Faktoren ab:
1. Dem Bedarf des Unternehmens
- Steht der Liquiditätsgewinn im Vordergrund?
- Sollen Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen entlastet werden?
- Wie wichtig ist der Schutz vor Forderungsausfällen?
- Welche Kunden sollen einbezogen werden?
2. Den Kriterien des Factoring-Anbieters und des Modells
- Bonität des Unternehmens und seiner Kunden/Debitoren
- Zahlungsziele und Rechnungsvolumen
- Branchenbesonderheiten
- Abtretbarkeit und Qualität der Forderungen
Mehr als Liquidität: Factoring-Modelle im Überblick
Wichtig vorab: Factoring-Modelle sind nicht ausschließlich als voneinander getrennte Varianten zu verstehen. Sie beschreiben unterschiedliche Merkmale einer individuellen Factoring-Lösung und werden häufig miteinander kombiniert – beispielsweise echtes, offenes Full-Service-Factoring.
Der Anbieter übernimmt Finanzierung, Debitorenmanagement und Mahnwesen. Besonders interessant für Mittelständler und wachsende Betriebe, die Liquidität benötigen und auch ihre Verwaltung entlasten möchten.
Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen verbleiben beim Unternehmen. Der Factoring-Anbieter übernimmt vor allem die Finanzierung. Sinnvoll für Unternehmen mit gut organisierter Buchhaltung und etablierten Mahnprozessen.
Das Ausfallrisiko geht grundsätzlich auf den Anbieter über. Zahlt ein Kunde aufgrund von Zahlungsunfähigkeit nicht, erhält das Unternehmen dennoch den vereinbarten Forderungsbetrag. Besonders interessant für Unternehmen mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis.
Das Ausfallrisiko verbleibt beim Unternehmen. Zahlt ein Kunde nicht, muss der vorfinanzierte Betrag zurückgeführt werden. Besonders interessant für Unternehmen, bei denen die reine Finanzierung im Vordergrund steht und die Debitoren über eine zweifelsfreie Bonität verfügen.
Kunden werden über die Abtretung informiert und zahlen direkt an den Factor. Geeignet für die meisten klassischen B2B-Geschäftsmodelle.
Kunden zahlen wie gewohnt, ohne über das Factoring informiert zu werden. Kommt vor allem für Unternehmen infrage, die eine diskrete Abwicklung wünschen und erhöhte Anforderungen an Bonität, Forderungsqualität und interne Prozesse erfüllen.
In das Factoring werden nur bestimmte Kundengruppen, Länder, Geschäftsbereiche oder ausgewählte Debitoren einbezogen. Besonders interessant für Unternehmen mit einer heterogenen Kundenstruktur oder einem gezielten Finanzierungsbedarf.