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Echtes oder unechtes Factoring – im Zweifel das Original?

22. Februar 2021 3 Minuten Lesezeit

Inhaltsverzeichnis

    Beim Factoring können Unternehmen ihre offenen Forderungen an einen Factor genannten Dienstleister verkaufen, der die ausstehende Summe bevorschusst und das Geld dann später vom Schuldner erhält. Dies ist die Quintessenz der Finanzierungsart, doch Factoring ist nicht gleich Factoring. Es gibt zahlreiche Varianten – so unterscheidet man unter anderem zwischen echtem und unechtem Factoring.

    Echtes Factoring reduziert Ausfallrisiken

    Der wohl wichtigste Unterschied zwischen diesen beiden Factoring-Arten liegt in der Risikoverteilung. Beim echten Factoring geht das Risiko eines Zahlungsausfalls ganz oder zu einem vorher vereinbarten Anteil auf den Factor über. Zahlt der Schuldner – auch Debitor genannt – nicht, haftet der Factor. Es wird in diesem Zusammenhang auch vom übernommenen Delkredererisiko gesprochen. Der Factoring-Dienstleister selbst sichert sich in der Regel bei einem Warenkreditversicherer gegen mögliche Ausfälle auf Debitorenseite ab.

    Unechter Forderungsverkauf: günstiger, aber volles Risiko

    Beim unechten Factoring bleibt das Delkredererisiko vollständig beim Factoringnutzer. Er verkauft seine Forderung nicht, sondern gibt sie als eine Art Faustpfand an den Factor, damit dieser dem Unternehmen kurzfristige Liquidität in Rechnungshöhe gewährt. Das heißt in der Praxis: Zahlt sein Kunde nicht, muss der Factoringnutzer den gesamten vorgestreckten Betrag mitsamt Gebühren übernehmen und an den Factor zurückzahlen. Diese Art der Finanzierung mag gebührenseitig auf den ersten Blick günstiger erscheinen, bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch die Tücken.

    Im deutschen Mittelstand spielt unechtes Factoring aufgrund seines Risikos eine eher untergeordnete Rolle. Wird unechtes Factoring doch eingesetzt, sollte dies nur bei Kunden geschehen, mit denen ein längeres Vertrauensverhältnis besteht, deren Zahlungsverhalten vorhersehbar und deren Bonität solide ist. In solchen Fällen kann das unechte Factoring helfen, Stammkunden lange Zahlungsziele zu ermöglichen, ohne die eigene Liquidität zu belasten.

    Echtes Factoring – Sicherheit plus …

    Das echte Factoring sorgt hingegen nicht nur für zeitnahe Liquidität – damit können sich Unternehmen auch gegen einen Zahlungsausfall ihrer Abnehmer absichern. Hinzu kommt ein betriebswirtschaftlicher Effekt, die sogenannte Bilanzverkürzung. Da beim echten Factoring ein tatsächlicher Forderungsübergang stattfindet, verschwindet der Posten aus der Bilanz. Da sich die Bilanzsumme reduziert (nach Verwendung der Liquidität – es findet ein sog. Aktiv-/Passivtausch statt), steigt die Eigenkapitalquote im Verhältnis zur Bilanzsumme. Da die Eigenkapitalquote eine wichtige Kennziffer bei der Kreditvergabe darstellt, kann dieser Effekt zu einer Ratingverbesserung und somit zu günstigeren Konditionen bei der Kreditvergabe führen. Außerdem werden laufende Kreditlinien geschont. Findet der echte Forderungsverkauf zudem im Rahmen eines Full-Service-Angebotes statt, übernimmt der Factor nicht nur die fortlaufende Finanzierung der Rechnungen und den Ausfallschutz, sondern auch den kompletten administrativen Part, der die Debitorenbuchhaltung, das Mahn- und Inkassowesen umfasst.

     

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    Der Blog-Artikel wurde geschrieben von

    Wolfgang Roell

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