Die Factoring-Gebühren variieren von Anbieter zu Anbieter, aber viele Factoring-Unternehmen stützen ihre Zinsen auf den Referenzzinssatz Euribor. Wie dieser berechnet wird und welche Vorteile sich daraus für Factoring-Kunden ergeben, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Die Kosten, die beim Factoring entstehen, setzen sich aus den Factoringgebühren – beispielsweise für das Debitorenmanagement und die Warenkreditversicherung, also für die Übernahme des das Ausfallrisikos –, den Limitprüfgebühren für die Bonitätsprüfung der Schuldner sowie den Zinsen zusammen. Letztere sind oftmals an Referenzzinssätze wie den Euribor gekoppelt.
Euribor: Erklärung und Berechnung
Der Euribor – kurz für Euro Interbank Offered Rate – ist der durchschnittliche Zinssatz, zu dem europäische Banken einander unbesicherte Kredite gewähren. Er dient als wichtiger Referenzzinssatz für eine Vielzahl von Finanzprodukten und -verträgen wie Krediten, Anleihen und Derivaten. Der Euribor wird für fünf Laufzeiten – eine Woche sowie ein, drei, sechs und zwölf Monate – werktäglich berechnet. Dabei liefert zunächst eine ausgewählte Gruppe von Banken ihre aktuellen Interbank-Zinssätze. Anschließend werden die niedrigsten und höchsten Daten ausgeschlossen und aus den verbleibenden Zinssätzen wird der Durchschnitt berechnet. Der Euribor wird daraufhin offiziell vom European Money Markets Institute (EMMI) veröffentlicht.
Warum ist der Euribor relevant für Factoring?
Factoring-Unternehmen leihen sich Geld bei Banken, um dem Factoring-Nutzer den Großteil des Forderungsbetrags frühzeitig auszuzahlen. So muss der Factoring-Kunde nicht lange auf die Zahlung des eigenen Debitors/Kunden warten. Die Zinskosten, die dabei entstehen, sind meist an den Euribor gekoppelt. Anders als bei festen Zinssätzen wird der Factoring-Zinssatz hier regelmäßig an den Euribor angepasst: Die Zinsen bleiben im Einklang mit den aktuellen Marktkonditionen. Steigt oder sinkt der Euribor, erhöhen oder verringern sich auch die Zinsen, die das Factoring-Unternehmen berechnet. Der Zins-Aufschlag dient dem Factor dazu, das Risiko und die Kosten abzudecken, die mit der Vorauszahlung verbunden sind. Wie hoch dieser Aufschlag ist und auf welche Euribor-Laufzeit sich bezogen wird, ist abhängig vom Anbieter und der Factoring-Vereinbarung.
Vorteile Euribor-basierter Zinssätze
Wird auf Factoring-Anbieter zurückgegriffen, die den Euribor als Grundlage für die Zinsberechnung verwenden, können Unternehmen von einigen Vorteilen profitieren. Unter anderem:
- Transparenz und Stabilität: Der Euribor ist ein standardisierter und öffentlich zugänglicher Zinssatz; die Berechnung ist leicht nachvollziehbar, Zinsänderungen sind gut vorhersehbar. So lässt sich die Finanzplanung aktiver gestalten.
- Bonitätsunabhängigkeit: Die Euribor-Zinsen sind in der Regel unabhängig von der Kreditwürdigkeit des Unternehmens; anders als bei der üblichen Hausbank. Gleichzeitig ermöglichen die gestärkte Liquidität und die reduzierten Ausfallrisiken eine höhere Kreditwürdigkeit.
- Vergleichbarkeit: Da der Euribor in der gesamten Eurozone verwendet wird, profitieren KMU von einer besseren Vergleichbarkeit der Zinssätze und Konditionen bei verschiedenen Factoring-Anbietern.